Als Keld Moseholm 2016 seinen 80. Geburtstag feierte, würdigte das Faaborg Museum dies mit der Ausstellung „Lebenswerke“. Die Direktorin des Museums, Gertrud Hvidberg Hansen, trug zum Katalog mit einer Beschreibung von Keld Moseholms Garten und Atelier bei – wunderschön gelegen am südfünischen Inselmeer – und schrieb unter anderem:
„Das Ganze ist ein überwältigendes Erlebnis und ein prächtiger Anblick, und man fragt sich, ob es wirklich sein kann, dass die vielen Werke nur von einem einzigen Künstler geschaffen wurden. Aber das sind sie!“
Man muss nicht lange mit Keld Moseholm zusammen sein, um die Erklärung dafür zu bekommen, dass ein einziger Mensch all diese Kunst geschaffen hat: Er arbeitet immer. Er denkt, er zeichnet, er modelliert – und um ihn herum wimmeln naturalistische Kinder und Frauen, kleine dicke Männer, die sich in die halsbrecherischsten Situationen stürzen, die niemals gut gehen können ... oder doch? Moseholm verrät nicht, wie die Geschichte endet .. es ist erlaubt, das Beste zu hoffen. Und kennt man seine Bibelgeschichte, erleichtert das oft vieles ..
Gertrud Hvidberg Hansen beschreibt seine Bildsprache als zeitgenössisch und geprägt von der Kunst und Ästhetik des 20. Jahrhunderts, aber die Erzählungen und die moralischen Werte, die die Werke tragen, sind zeitlos und universell.
Machtgier, aufgeblasene Selbstbilder und Bosheit
„Keld Moseholm begann seine Karriere mit einer Reihe einfühlsamer und poetischer realistischer Skulpturen und Porträtbüsten,
besonders von Frauen und Kindern. Später widmete er sich der Darstellung der „kleinen dicken Männer“ und damit veränderte seine
Kunst ihren Charakter in dreierlei Hinsicht: Sie wird humorvoll und ironisch. Sie wird erzählerisch, ja, Moseholm ist sicherlich
derzeit der epischste Bildhauer, denn die meisten seiner Skulpturen stellen Situationen dar, die Teil eines narrativen Verlaufs sind
und diesen voraussetzen. Und schließlich werden seine Skulpturen zu Darstellungen unserer Machtgier,
aufgeblasener Selbstbilder und Bosheit gegenüber anderen.(...)
Seine Skulpturen repräsentieren oft eine fragile Magie, an die man schwer glauben kann, die den Betrachter aber dennoch trifft“
Aus dem Buch Litteratur og Intersubjektivitet von Professor, Mag. Art. Jørgen Dines Johansen, Universität Süddänemark, 2009
CV
Keld Moseholm (1936-2023) war ein dänischer Bildhauer und Zeichner. Seine Bronzeskulpturen stehen im öffentlichen Raum an vielen Orten in Dänemark und im Ausland, und seine Werke wurden in Kunstmuseen und auf Kunstbiennalen im In- und Ausland ausgestellt, zuletzt im Faaborg Museum zur Feier des 80. Geburtstags des Künstlers und auf der Skulpturbiennale „Sculpture by the Sea“ in Sydney, wo er seit 1999 regelmäßiger Aussteller war. Er studierte am Fünischen Kunstakademie 1958-1962 und an der Kunstakademie in Kopenhagen in den Jahren 1965-1970.