Atelier & Garten · Sommer 2026

Mythen
Macht
Zerbrechlichkeit

Keld Moseholms Atelier & Garten · 27. Juni – 30. August 2026

Werke von Keld Moseholm im Atelier am Knoldsborgvej

Eröffnung Samstag, den 27. Juni um 11 Uhr

Zur Eröffnung erzählt die Schauspielerin und Geschichtenerzählerin Vigga Bro um 12 Uhr eine Geschichte

Geöffnet Freitag – Sonntag 11–16 Uhr · bis 30. August 2026

Keld Moseholm war eine einzigartige Gestalt der dänischen bildenden Kunst. An den Modeströmungen seiner Zeit nahm er nicht teil. In diesem Sinne ist sein Lebenswerk zeitlos. Oder mit einem anderen Wort: es ist klassisch. Das Klassische ist mustergültig, weil ihm eine Selbstverständlichkeit eigen ist und weil es auf eine Weise erneuert, die die Tradition weiterführt und ihr Leben einhaucht. Ein klares Beispiel dafür ist gerade Keld Moseholms Werk, denn die Skulpturen mit den kleinen runden Menschen sind zutiefst originell und zugleich zutiefst klassisch.

Die klassische Kunst ist von einer großen Schönheit geprägt. Keld Moseholm führte diese Tradition weiter, indem er den menschlichen Körper in einer kraftvollen, robusten Schönheit darstellte. Es geht nicht wie in früheren Zeiten um Jenseitigkeit, Idealität, romantische Sehnsucht. Keld Moseholms Menschen sind ganz und gar sinnliche Gegenwart. Durch das Lebenswerk zieht sich eine Beschäftigung mit den klaren, spannkräftigen, ausdrucksvollen Formen, eine Freude an ihnen. Es ist ein Lebenswerk, entstanden aus der Versenkung in die Skulptur und ihre Möglichkeiten und in das menschliche Leben mit seinen Möglichkeiten und Unmöglichkeiten.

Diese robuste Schönheit entwickelte Keld Moseholm vor allem in seinen Werken mit den kleinen, runden Menschen. Zugleich aber nutzt er ein anderes Potenzial der Kunst im vollen Ernst: ihre Möglichkeit, Einsicht, Erkenntnis, Wahrheit zu vermitteln. Er hat nicht nur eine ausdrucksvolle Form gefunden, sondern sich auch ein einzigartiges Universum geschaffen. Ein Universum, das zugleich durch seine Vielfalt und seinen Fantasiereichtum fasziniert und als Spiegel für die Welt dient, in der wir täglich leben — ein Spiegel mit der besonderen Eigenschaft, auf Grundzüge unseres Daseins aufmerksam zu machen.

Ein ganz entscheidender Zug des Universums der kleinen, runden Menschen ist, dass es in einer leicht zugänglichen Bildsprache formuliert ist. Die Formen sind klar und präzise, die Materialien solide und vertraut. Zugleich sind sie reich an Bedeutungen. In ihnen liegen große Tiefen und weite Perspektiven.

Ein beherrschender Zug im Universum der kleinen runden Menschen ist der Humor. Immer wieder reizen sie zum Lachen. Von Aristoteles über Søren Kierkegaard bis heute hat man gesagt, dass das, was uns zum Lachen bringt, unerwartete Gegensätze sind — Kontraste, Absurditäten und Torheiten. Wohlgemerkt, sofern der Gegensatz schmerzlos ist. Ist der Gegensatz leidvoll, so ist er tragisch und ruft Mitgefühl hervor. In diesen Bestimmungen tritt die enge Verwandtschaft zwischen dem Komischen und dem Tragischen hervor, denn die Gegensätze des Daseins lassen sich nicht scharf in schmerzliche und schmerzlose teilen. Die Darstellung der kleinen runden Menschen ist immer wieder von dieser Mischung aus Humor und Tragik durchdrungen.

Werke von Keld Moseholm im Atelier am Knoldsborgvej
Werke von Keld Moseholm im Atelier & Garten, Knoldsborgvej.

Die kleinen runden Menschen sind nahezu kugelrund, mit kleinen Köpfen und abstehenden Gliedern. Sie sind ohne individuelle Merkmale. Sie sind anonym. Ihr Körperbau hebt bestimmte Seiten des Menschen hervor. Mit ihrem großen Korpus und ihren kleinen Gehirnen wirken sie ein wenig komisch. Aber es liegt auch etwas Versöhnliches, Gutmütiges und Beruhigendes in den kleinen runden Menschen.

Kraft ihrer Anonymität schildern die kleinen runden Menschen allgemeine Züge des Daseins. Es geht um das, was man Existenzbedingungen nennen könnte: das Verhältnis zwischen dem Einzelnen und dem System, zwischen Macht und Ohnmacht, zwischen Stärke und Zerbrechlichkeit, zwischen Mann und Frau, zwischen Gleichgewicht und Ungleichgewicht, ein mühsamer Kampf mit allen Formen von Widrigkeit und völlig verkehrten Situationen, aber auch fantasievolle Möglichkeiten, der gewohnten Wirklichkeit zu entkommen. Man könnte sagen, es seien sehr philosophische Skulpturen, oder man könnte sagen, sie hätten den Charakter des Mythos — wenn man mit Johannes V. Jensen unter Mythos eine Erzählung versteht, die universelles Licht auf etwas wirft. Mythen in skulpturaler Form.

Philosoph, mag.art. Niels Thomassen

Praktische Informationen

Zeitraum27. Juni – 30. August 2026

OrtKeld Moseholms Atelier & Garten, Knoldsborgvej 1, 5600 Faaborg

ÖffnungszeitenFreitag – Sonntag 11–16 Uhr

Eintritt75 DKK · Saisonkarte: 125 DKK · Kinder unter 18 und Studierende frei

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